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Die Tricks von Partnerbörsen

Abofalle, Abzocke, Betrug: In Bewertungsplattformen und Foren fallen nicht selten drastische Ausdr√ľcke, wenn es um kostenpflichtige Dating-Portale im Internet geht. In diesem Artikel wollen wir uns mit dem Thema besch√§ftigen und auf die Tricks verschiedener Kontaktb√∂rsen hinweisen. Fehler und Missverst√§ndnisse, die immer wieder vorkommen, werden ebenfalls angesprochen.

Finanzierungsmöglichkeiten von Partnerbörsen und Dating-Apps

Der Betrieb eines Online-Portals kostet Geld. Nicht nur Entwickler, Programmierer und die Mitarbeiter des Kundenservice erwarten am Ende des Monats das vereinbarte Gehalt. Auch Fixkosten und Ausgaben f√ľr Marketing schlagen regelm√§√üig zu Buche. Damit sich das Ganze rechnet, m√ľssen den Kosten Einnahmen in mindestens der gleichen H√∂he gegen√ľberstehen. Aber es gibt doch die Dating-App Tinder und Singleb√∂rsen wie lablue, die man komplett kostenlos nutzen kann. Womit verdienen diese Anbieter denn ihr Geld?

Partnerbörsen und Dating-Apps haben unter anderem folgende Möglichkeiten der Finanzierung:

  • kostenpflichtige Premium-Mitgliedschaften verkaufen
  • s√§mtliche Leistungen kostenlos anbieten und Werbung schalten
  • pers√∂nliche Daten seiner Mitglieder weitergeben

Unter den ersten Punkt fallen die klassischen Partnervermittlungen eDarling, Parship, LemonSwan, ElitePartner und SilberSingles. Auch Singlebörsen wie Dating Cafe, Bildkontakte, Verlieben.ch, Muslima.com oder Christ sucht Christ funktionieren auf diese Weise. Neben lablue lassen sich Finya, Romantik-50plus und Himmlisch Plaudern zu 100 Prozent kostenlos nutzen.

Viele kommerzielle Apps finanzieren sich durch die Weitergabe der Nutzerdaten an Dritte. Das gilt ebenfalls f√ľr die f√ľhrende Dating-App Tinder. Einige Leser werden an dieser Stelle erstaunt sein, dass man bei kostenloser Nutzung einen Preis zahlen muss. Unter anderem steht in den Nutzungsbedingungen Folgendes:

Um Tinder zu verwenden, können Sie sich mit Ihrem Facebook-Login anmelden. Wenn Sie das tun, berechtigen Sie uns in Bezug auf den Zugriff auf bzw. die Verwendung bestimmter Facebook-Konto-Informationen, einschließlich, aber nicht beschränkt auf Ihr öffentliches Facebook-Profil.

Falls Sie sich √ľber Facebook bei Tinder anmelden, erlauben Sie dem Anbieter, auf s√§mtliche Daten Ihres Accounts zuzugreifen. Aber das ist noch nicht alles. So erkl√§rt der Betreiber in den Datenschutzbestimmungen, alle auf der App hinterlegten Informationen mit LoveScout24, BlackPeopleMeet, OkCupid, Twoo, Plenty of Fish, Match, Meetic, OurTime, ParPerfeito und Pairs zu teilen. Ihre pers√∂nlichen Daten landen auch bei Partnerunternehmen, Marketingagenturen und Staatsanwaltschaften innerhalb und au√üerdem der EU.

Neben den genannten Finanzierungsm√∂glichkeiten sparen manche Partnerb√∂rsen einen Teil der Fixkosten ein, indem sie mehrere Webseiten betreiben. So bietet Lovepoint f√ľr die seri√∂se Partnersuche eine Singleb√∂rse an. Um erotische Abenteuer zu erleben, gibt es unter demselben Dach ein Casual-Dating-Portal. Mit Neu.de, LoveScout24 und Zweisam betreuen die Mitarbeiter der FriendScout24 GmbH aus M√ľnchen gleichzeitig drei Singleb√∂rsen. Dadurch reduzieren sich die relativen Kosten f√ľr jede der Dating-Plattformen.

Vorsicht bei Premium-Mitgliedschaften mit automatischer Vertragsverlängerung

Wenn von Abzocke gesprochen wird, geht es fast immer um kostenpflichtige Premium-Vertr√§ge. Manche Singles beklagen sich, man k√∂nne die Mitgliedschaft √ľberhaupt nicht k√ľndigen und stecke in einer Abofalle. Was hat es damit auf sich? Wer sich als Partnerb√∂rse √ľber Premium-Vertr√§ge finanziert, ben√∂tigt einen m√∂glichst gleichbleibenden Pool an zahlenden Usern. Deshalb gibt es kostenpflichtige Mitgliedschaften mit Laufzeiten von 3, 6, 12 und 24 Monaten. Hinzu kommt, dass sich ohne fristgerechte K√ľndigung der Vertrag fast immer automatisch um die gleiche Dauer verl√§ngert.

Aus Sicht des Betreibers stellen lange Laufzeiten und eine automatische Vertragsverl√§ngerung die perfekte Finanzierungsm√∂glichkeit dar. Denn der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Nicht wenige Singles vergessen, ihre Mitgliedschaft rechtzeitig zu k√ľndigen, und schon sprudeln die Einnahmen f√ľr die n√§chsten Monate. Egal ob online oder offline: Bei einem Abonnement muss man die K√ľndigungsfrist kennen und sein Schreiben frist- und formgerecht an den Vertragspartner schicken.

K√ľndigungen per E-Mail sind riskant

Elektronische Mitteilungen stellen eine einfache M√∂glichkeit dar, mit dem Support einer Partnerb√∂rse in Kontakt zu kommen und die Premium-Mitgliedschaft zu beenden. Unseri√∂se Anbieter nutzen zum Teil die Gutgl√§ubigkeit ihrer Kunden aus und behaupten im Nachhinein, kein K√ľndigungsschreiben per E-Mail erhalten zu haben. Ist so etwas rechtm√§√üig? Die Antwort lautet ja. F√ľr alle neueren Vertr√§ge legte der deutsche Gesetzgeber fest, dass man die K√ľndigung mit einer E-Mail vornehmen kann. Leider hat das bei manchen Singles zu einer vollkommen falschen Annahme gef√ľhrt.

Viele gehen nach dem Motto vor: ‚ÄěIch schicke dann einfach eine Nachricht an die angegebene E-Mail-Adresse und schon endet mein Vertrag zum vereinbarten Zeitpunkt.‚Äú Bewertungsportale wie Trustpilot sind voll von Kommentaren entt√§uschter Kunden, die sich so verhalten und anschlie√üend behaupten, in eine Abofalle geraten zu sein. Das stimmt aber nicht! Mit einer E-Mail teilt man dem Kundenservice seine Absicht mit, die Premium-Mitgliedschaft zu beenden. Selbstverst√§ndlich gilt das ebenfalls f√ľr eine K√ľndigung per Fax oder mit einem eingeschriebenen Brief.

Jedoch besteht ein ganz entscheidender Unterschied. Bei einer E-Mail l√§sst sich nicht beweisen, dass der Empf√§nger das K√ľndigungsschreiben erhielt. Die Nachricht k√∂nnte beispielsweise im Spam-Ordner landen oder an einen falschen Empf√§nger weitergeleitet werden. Die Rechtsprechung ist in dieser Sache eindeutig: E-Mails besitzen vor Gericht keine Beweiskraft. Aus diesem Grund faxen Rechtsanw√§lte wichtige Schreiben vorab und verschicken sie anschlie√üend per Einschreiben mit R√ľckschein. Sowohl das Sendeprotokoll als auch der unterschriebene R√ľckschein dienen als Beweis, wann ein Brief zugestellt wurde. Und doppelt gemoppelt h√§lt besser.

Wichtiger Hinweis: Eine K√ľndigung der Premium-Mitgliedschaft mit einer E-Mail oder √ľber das Kontaktformular im Mitgliederbereich gilt nur dann, wenn der Kundenservice eine K√ľndigungsbest√§tigung schickt.

Widerruf der Premium-Mitgliedschaft ‚Äď der gr√∂√üte Fallstrick beim Online-Dating

Ein Thema, an dem sich die Gem√ľter erhitzen, ist das gesetzlich garantierte Widerrufsrecht. Bei allen Gesch√§ften im Internet schreibt der Gesetzgeber vor, dass man eine bestellte Ware 14 Tage lang testen darf und bei Nichtgefallen innerhalb dieser Frist an den Verk√§ufer zur√ľckschicken kann. So bestellen sich beispielsweise Kunden bei Zalando Schuhe in verschiedenen Gr√∂√üen und lassen sie nach Hause liefern. Was passt, bezahlt man und der Rest geht zur√ľck.

Diese Mentalit√§t findet vor allem bei j√ľngeren Leuten eine weite Verbreitung. Viele glauben, man k√∂nne jeden Vertrag im Internet innerhalb der ersten zwei Wochen ohne finanzielle Nachteile r√ľckg√§ngig machen. Was bei Schuhen noch einigerma√üen funktioniert, ist bei zubereiteten Speisen deutlich schwieriger. Wenn Sie online eine Pizza bestellen, ein St√ľck verzehren und den Rest nach einer Woche an das Restaurant zur√ľckschicken, erstattet man Ihnen nicht ohne Weiteres den Kaufpreis. Auf einen √§hnlichen Standpunkt stellen sich auch Partnervermittlungen wie ElitePartner und Parship.

Wer einen Premium-Vertrag abschlie√üt, nutzt mit der Nachrichtenfunktion das Herzst√ľck der Online-Plattform. Deshalb stellt der Betreiber im Fall eines Widerrufs einen sogenannten Wertersatz in Rechnung. Zugrunde gelegt wird dabei die Kontaktgarantie der Partnerb√∂rse. Bei einer 6-monatigen Premium-Mitgliedschaft garantiert ElitePartner das Zustandekommen von f√ľnf Kontakten. Der wechselseitige Empfang und das Versenden von mindestens einer Nachricht gelten als Kontakt.

Wenn man beispielsweise 30 Mitteilungen verschickt und drei Antworten erh√§lt, sind drei Kontakte zustande gekommen. Im Falle eines Widerrufs betr√§gt der Wertersatz dann drei F√ľnftel (60 Prozent) der bezahlten Summe. Mittlerweile gibt es bei zahlreichen Singleb√∂rsen eine Wertersatzregelung. Sie k√∂nnen das ganz einfach selbst √ľberpr√ľfen, indem Sie in den AGB des Dating-Portals nachsehen. Suchen Sie nach ‚ÄěFolgen des Widerrufs‚Äú.

Wenn dort etwas steht wie ‚ÄěHaben Sie verlangt, dass die Dienstleistungen w√§hrend der Widerrufsfrist beginnen soll, so haben Sie uns einen angemessenen Betrag zu zahlen, ‚Ķ‚Äú, berechnet der Betreiber einen Wertersatz.

Kostenlose Basis-Mitglieder sind die Hauptursache f√ľr Frust bei der Partnersuche

Wer als Neumitglied bei Partnervermittlungen einen kostenpflichtigen Vertrag abschlie√üt, freut sich √ľber die Gelegenheit, mit anderen Singles zu chatten. So werden individuelle Mitteilungen mit Herzblut geschrieben in der Hoffnung auf eine positive Resonanz. Wenn dann nach der 10. oder 20. Nachricht immer noch keine Antwort kommt, macht sich Frust breit. Eine der Hauptgr√ľnde f√ľr den Widerruf von Premium-Mitgliedschaften ist die Entt√§uschung √ľber den fehlenden Erfolg bei der Kontaktaufnahme. Unerfahrene Singles geben h√§ufig der Partnerb√∂rse die Schuld und f√ľhlen sich verschaukelt.

Aber warum antwortet niemand, obwohl man sich viel M√ľhe gibt? Zumeist liegt der Grund darin, dass es sich bei den Angeschriebenen um kostenfreie Basis-Mitglieder handelt, die nicht auf Mitteilungen reagieren k√∂nnen. Bevor Sie von Abzocke sprechen, bedenken Sie bitte, dass die Kontaktb√∂rse keinen Einfluss auf die Anzahl der Basis-Mitglieder hat. Viele Singles registrieren sich kostenlos auf der Plattform und legen ein Profil an. Weshalb melden solche Leute sich nicht wieder ab, wenn √ľberhaupt kein Interesse an einer Premium-Mitgliedschaft besteht?

Genau diese Karteileichen tragen ma√ügeblich zu den Schwierigkeiten bei der Kontaktaufnahme bei. Aus diesem Grund empfehlen wir von Kontaktboersen.de Online-Portale als Basis-Mitglied f√ľr wenige Tage zu testen und bei Nichtgefallen den Account umgehend zu l√∂schen. Unserer Erfahrung nach sind bei eDarling, ElitePartner, SilberSingles und Parship nur etwa 10 Prozent der registrierten User Premium-Mitglieder und k√∂nnen auf Nachrichten antworten.

Wer als Anfänger Basis-Profile nicht erkennt, erhält im Durchschnitt auf zehn Anschreiben nur eine Antwort. Deshalb ist es besser, mit dem Online-Dating nicht unbedingt bei einer der großen Partnervermittlungen zu beginnen. Singlebörsen wie Date50, Single.de, Verlieben.ch und LoveScout24 (mit Connect Option) bieten Premium-Mitgliedern die Möglichkeit, auch mit Basis-Mitgliedern Nachrichten auszutauschen.

Wie lassen sich Probleme bei der K√ľndigung und beim Widerruf vermeiden?

Vor dem Abschluss eines Premium-Vertrags sollten Sie als Basis-Mitglied das Portal an mehreren Tagen ausgiebig testen.

Beantworten Sie f√ľr sich Fragen wie:

  • Gef√§llt mir das Design der Webseite? Kann ich mir vorstellen, hier jeden Tag ein bis zwei Stunden zu verbringen?
  • Finde ich √ľber die Suchfunktion gen√ľgend Singles, die meinen Kriterien entsprechen? Bei Partnervermittlungen: Treffen die Partnervorschl√§ge meinen Geschmack und ist die Auswahl gro√ü genug?
  • Wohnen interessante Kandidaten im Umkreis von 50 oder 100 Kilometern?
  • Wie viele passende User haben sich innerhalb der letzten Woche eingeloggt?

Tipp 1:

Sind Sie mit dem Ergebnis zufrieden, schlafen Sie am besten noch eine Nacht dar√ľber. Entscheiden Sie dann, ob sich eine Premium-Mitgliedschaft lohnt. Wenn Sie einen kostenpflichtigen Vertrag abschlie√üen m√∂chten, betrachten Sie das Ganze als Investition in Ihre zuk√ľnftige Beziehung. Werfen Sie deshalb nicht beim ersten Frust die Flinte ins Korn. Denn Online-Dating ist vor allem eine Frage der Geduld.

Tipp 2:

M√∂glicherweise tragen Sie sich trotzdem mit dem Gedanken, Ihren Premium-Vertrag zu widerrufen. √úberlegen Sie sich die Folgen genau: Bei Portalen mit einer Wertersatzklausel werden Sie vermutlich Ihr Geld vor Gericht erstreiten m√ľssen. Wollen Sie wirklich einen Rechtsanwalt beauftragen und Klage einreichen? Im n√§chsten Abschnitt gehen wir auf aktuelle Gerichtsurteile zu diesem Thema ein. Falls Sie nicht zu einer juristischen Auseinandersetzung bereit sind, sollten Sie Ihr Widerspruchsrecht besser nicht in Anspruch nehmen. Denn nach einem Widerruf endet der Vertrag definitiv nach zwei Wochen und Sie verlieren einen gro√üen Teil Ihres Geldes.

Tipp 3:

Der n√§chste wichtige Punkt ist die form- und fristgerechte K√ľndigung. In den AGB Ihrer Partnerb√∂rse finden Sie alle Informationen dar√ľber, welche Angaben das K√ľndigungsschreiben enthalten muss. K√ľndigen Sie den Vertrag nicht auf den letzten Dr√ľcker, sondern verschicken Sie Ihr Schreiben mit einem Puffer von mindestens einem Monat. Dann haben Sie immer noch die M√∂glichkeit, Informationen nachzureichen, falls der Kundenservice Ihre K√ľndigung nicht zuordnen kann.

Was soll man machen, wenn Probleme auftauchen? Zun√§chst sollten Sie selbst versuchen, eine Kl√§rung herbeizuf√ľhren. Stellt sich der Kundenservice stur und akzeptiert Ihre K√ľndigung aus irgendwelchen Gr√ľnden nicht, bleibt nur der Gang zu einem Rechtsanwalt.


Wie stehen die Chancen vor Gericht?

Mittlerweile gibt es zahlreiche Urteile gegen die Firma PE Digital GmbH aus Hamburg, die ElitePartner und Parship betreibt. Die gute Nachricht: Sowohl die H√∂he des Wertersatzes als auch die automatische Vertragsverl√§ngerung erkl√§rte das Amtsgericht Hamburg in vielen F√§llen f√ľr ung√ľltig. Ehemalige Mitglieder haben deshalb gro√üe Chancen, ihr Geld ganz oder teilweise zur√ľckzuerhalten. Am 8.10.2020 entschied der Europ√§ische Gerichtshof (EuGH) beim Thema Wertersatz ebenfalls gegen die PE Digital GmbH (Az. C-641/19).

Demnach ist eine Wertersatzregelung zwar legitim. Allerdings muss der geforderte Betrag in Relation zur Laufzeit stehen. Wer einen 6-monatigen Premium-Vertrag bei Parship f√ľr 449,40 ‚ā¨ abschlie√üt, braucht bei einem Widerruf nicht mehrere Hundert Euro zu bezahlen. In diesem Fall betr√§gt der Wertersatz 449,40 ‚ā¨ x 2 √∑ 365 Tage = 2,46 ‚ā¨ pro Tag. F√ľr zwei Wochen darf Parship somit knapp 34,50 ‚ā¨ in Rechnung stellen. Das Urteil des Europ√§ischen Gerichtshofs wurde am 6. Mai 2021 vom Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe best√§tigt (Az. III ZR 169/20).

Auch die automatische Vertragsverl√§ngerung der Premium-Mitgliedschaften von ElitePartner und Parship hat das Amtsgericht Hamburg mehrfach f√ľr unzul√§ssig erkl√§rt. Insbesondere Verl√§ngerungen um die doppelte Laufzeit sind nach Ansicht der Richter rechtswidrig. Es kann sich also lohnen, eine Klage vor Gericht einzureichen. Wichtig ist die Verj√§hrungsfrist. Anspr√ľche von Verbrauchern verj√§hren nach drei Jahren. Deshalb haben Sie genug Zeit, rechtliche Schritte zu unternehmen.

Wie geht man am besten vor, um sein Geld zur√ľckzuerhalten?

Der genaue Ablauf hängt davon ab, ob es sich um einen Widerruf oder eine automatische Vertragsverlängerung handelt.

1. Widerruf

Schreiben Sie zun√§chst den Kundenservice per Einschreiben mit R√ľckschein an und erkl√§ren Sie, dass Sie mit dem geforderten Wertersatz nicht einverstanden sind. Weisen Sie auf die Urteile des EuGH und BGH hin und geben Sie die Aktenzeichen an. Berechnen Sie dann den Wertersatz anhand des genannten Beispiels und fordern Sie den Restbetrag zur√ľck. Setzen Sie eine Frist von beispielsweise zwei Wochen, in denen das Geld erstattet werden soll. Wenn die Partnerb√∂rse die Zahlung ablehnt oder nicht reagiert, sollten Sie einen Rechtsanwalt einschalten.

2. Vertragsverlängerung

Teilen Sie dem Kundenservice per Einschreiben mit R√ľckschein mit, dass Sie die Regelung der automatischen Vertragsverl√§ngerung nicht akzeptieren. Weisen Sie ebenfalls auf bereits ergangene Urteile des Amtsgerichts Hamburg hin. Falls noch nicht geschehen, k√ľndigen Sie die Premium-Mitgliedschaft mit sofortiger Wirkung. Fordern Sie einen bereits abgebuchten Betrag zur√ľck und setzen Sie je nach Zahlungsmethode eine entsprechende Frist.

3. Geld zur√ľckfordern

Nach dem Verstreichen der Frist k√∂nnen Sie versuchen, das Geld selbst zur√ľckzuholen. Bei Lastschrift und PayPal ist das ohne Probleme m√∂glich. Klappt die R√ľckbuchung, werden Sie im Anschluss mit gro√üer Wahrscheinlichkeit von dem Betreiber der Kontaktb√∂rse verklagt. Wenn Sie das Geld nicht zur√ľckerhalten, m√ľssen Sie selbst Klage beim Amtsgericht in Hamburg einreichen. In beiden F√§llen ben√∂tigen Sie einen versierten Rechtsanwalt, der sich auf das Thema Online-Dating spezialisiert hat.

Hinweis: Kompetente Fachleute finden Sie bei einer Suche √ľber Google oder in der Rechtsanwaltsliste der Stiftung Warentest.

Welche weiteren Tricks wenden Dating-Plattformen an?

Leider tummeln sich auf dem Dating-Markt einige Anbieter, die ihre Kunden eindeutig in die Irre f√ľhren. Diese Portale erwecken den Anschein einer echten Partnerb√∂rse, obwohl sie fast ausschlie√ülich ihre eigenen Animateure vermitteln. Animateure sind Mitarbeiter der Plattform, die Nachrichten mit zahlenden Premium-Mitgliedern austauschen. Da man keine Chance auf ein Date hat, ergeben die Unterhaltungen mit solchen Personen keinen Sinn. Woran erkennt man Portale, die auf diese Weise vorgehen?

Anhand folgender Kriterien lassen sich Animateure leicht identifizieren:

  1. Ist das Profil vollst√§ndig ausgef√ľllt?
  2. Klingt der Benutzername merkw√ľrdig?
  3. Verhält sich der Betreffende wie ein Single, der nach einem Partner sucht?
  4. Was steht in den AGB zum Thema animierte Profile?
Die Trick von Partnerbörsen

Die Trick von Partnerbörsen: auf einigen Partnerbörsen werden Animateure einsetzt, um Mitglieder zur interaktiven Kommunikation zu motivieren. Foto: © Daniel Wolfer

Animateure m√ľssen sich um zahlreiche Identit√§ten k√ľmmern, sodass das Niveau zwangsl√§ufig leidet. Diese Leute f√ľllen ihre Mitgliederprofile zumeist nur sp√§rlich aus. Freitextfelder bleiben entweder leer oder enthalten kurze, nichtssagende S√§tze. Ein echter Single, der viel Geld f√ľr eine Premium-Mitgliedschaft bezahlt, wird hingegen sein Profil m√∂glichst interessant gestalten und ein passendes Pseudonym w√§hlen. Bei Animateuren h√∂rt sich der Benutzername oft seltsam an.

Der Nachrichtenaustausch läuft in der Regel vollkommen anders ab als bei seriösen Usern. Da kein echtes Interesse an einem Kennenlernen besteht, bleibt das Ganze bei einem oberflächlichen Small Talk. Persönliche Fragen werden eher ausweichend beantwortet, während sich die Animateure selbst kaum nach privaten Dingen erkundigen. Wer Erfahrung beim Online-Dating hat, merkt sofort, dass irgendetwas mit diesen Männern und Frauen nicht stimmt.

Weitere eindeutige Hinweise verbergen sich in den AGB. Zumeist finden Sie dort etwas √ľber den Einsatz von Animateuren. Am besten suchen Sie mit der Suchfunktion (Ctrl + f) nach den Begriffen ‚ÄěModerator‚Äú, ‚Äěmoderiert‚Äú, ‚ÄěAnimateur‚Äú, ‚Äěanimiert‚Äú, ‚ÄěController‚Äú, ‚ÄěCUser‚Äú und ‚ÄěAgent‚Äú. Wenn Sie eines dieser Stichworte entdecken, lassen Sie lieber die Finger von dem betreffenden Portal. Im Internet vertreten einige Rechtsanw√§lte die Ansicht, der Einsatz von Animateuren stelle trotz des entsprechenden Hinweises in den AGB eine arglistige T√§uschung dar. Denn wer sich auf einer Partnerb√∂rse anmeldet, erwartet echte Singles und rechnet nicht mit bezahlten Mitarbeitern.

Was tun, wenn man auf einen Anbieter wie 50sLOVE hereingefallen ist? Kontaktboersen.de r√§t dazu, seine Premium-Mitgliedschaft sofort zu widerrufen oder zu k√ľndigen. Zudem kann es sinnvoll sein, einen erfahrenen Rechtsanwalt mit dem Fall zu betrauen. Denn die Chancen stehen gut, Ihr Geld zur√ľckzuerhalten. Wer sogenannte Coins bei Kizzle oder einer anderen Singleb√∂rse gekauft hat, braucht nichts weiter zu unternehmen. Nutzen Sie Ihre letzten Coins f√ľr humorvolle Nachrichten und l√∂schen Sie anschlie√üend das Mitgliederprofil. Bei einem gr√∂√üeren finanziellen Schaden hilft Ihnen ein Anwalt weiter.


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