Skip to main content

Paarberatung – auf der Suche nach Wegen aus der Beziehungskrise

Wenn sich einst glückliche Paare scheinbar nichts mehr zu sagen haben, dann steckt die Beziehung in der Regel in einer tiefen Krise. Gründe für Beziehungskrisen können so vielfältig sein, wie Menschen individuell sind. Während manchmal konkrete Krisenauslöser wie die Geburt eines Kindes oder ein Fehltritt des Partners zu einer Beziehungskrise führt, so sind die Krisenauslöser in den meisten Fällen wesentlich unspektakulärer. Ein stressiger Alltag, berufliche Probleme oder unterschiedliche Wünsche für die Zukunft, können eine Beziehung extrem belasten und in eine handfeste Krise führen. Eine Paarberatung gibt Paaren die Möglichkeit, sich im geschützten Rahmen mit ihrer Beziehung auseinanderzusetzen und bietet die Chance gemeinsam die Beziehung neu zu justieren.

Paarberatung

Die Paarberatung ist oft der letzte Weg aus einer Beziehungskrise. Foto: © LIGHTFIELD STUDIOS – Adobe Stock

Nebeneinander statt miteinander – so machen sich Beziehungskrisen bemerkbar

Hält erst einmal die Ernüchterung Einzug und die Beziehung scheint in einer Sackgasse, haben sich die Partner meist nicht mehr viel zu sagen. Meist fängt es jedoch vermeintlich „harmlos“ an. Kleine Verletzungen und Zurückweisungen im Alltag schleichen sich ein und führen zu Zweifeln an der Beziehung. Kommen dann noch die Angst vor Zurückweisung oder Verachtung dem Partner gegenüber hinzu, so führt dies häufig dazu, dass die Beziehung abkühlt und aus dem Miteinander ein Nebeneinander entsteht oder sogar erste Trennungsfantasien Einzug halten.

Diese Anzeichen weisen auf eine krisenbehaftete Beziehung hin:

  • Ein oder auch beide Partner nehmen nicht mehr wirklich am Familienleben teil und entziehen sich ihrer Verantwortung. Aufgaben werden vernachlässigt und das Interesse an gemeinsamen Aktivitäten geht gegen null.
  • Sowohl emotional als auch sexuell scheint das Interesse am Partner verflogen zu sein.
  • WĂĽnsche des Partners werden nicht mehr respektiert und auch gegenĂĽber Dritten werden abfällige Ă„uĂźerungen ĂĽber den Partner getroffen.
  • Liebe und Aufmerksamkeit wird zur Beziehungswährung und es zeigen sich immer häufiger Anzeichen von emotionaler Erpressung.
  • Gemeinsam getroffene Absprachen werden plötzlich ignoriert und es werden Entscheidungen ohne RĂĽcksprache getroffen.
  • Die Kompromissbereitschaft hat deutlich oder komplett nachgelassen und es werden nur noch die persönlichen Interessen verfolgt.
  • Ein Partner betrĂĽgt den anderen und hält plötzlich nichts mehr von Treue, bzw. steht immer häufiger das Wort Trennung im Raum.

Unter welchen Umständen ist eine Paartherapie sinnvoll?

Eine Paartherapie verspricht durchaus Erfolg, wenn die Grundvoraussetzungen stimmen. Wichtig ist, dass niemand zur Therapie gezwungen werden kann. Weigert sich der Partner an einer Paartherapie teilzunehmen, kann es sinnvoll sein erst einmal alleine mit der Therapie zu beginnen. Eine Weigerung des Partners kann viele Gründe haben und oft steckt die Angst vor Schuldzuweisung dahinter oder die Angst, dass der Partner die Therapie selbst nicht ernst nimmt. Wer ein erstes Gespräch alleine führt, signalisiert, dass er selbst ernsthaftes Interesse an der Therapie und somit auch am Erhalt der Partnerschaft hat. Wer seinem Partner zeigt, dass er ehrliches Interesse an der Beziehung hat und daran die Beziehungskrise hinter sich zu lassen, hat gute Chancen, dass der Partner nach ein oder zwei Sitzung bereit ist auch an der Paartherapie teilzunehmen oder zumindest einwilligt sich eine Therapiestunde unverbindlich anzusehen.

Der Paartherapeut als neutrale Person kann helfen

Immer dann, wenn die Kommunikation in der Partnerschaft versiegt ist oder jedes Gespräch in einem Streit oder in Schuldzuweisungen endet, kann es heilsam sein eine neutrale Person in Form eines Paartherapeuten zu konsultieren. Geschulte Psychologen bieten professionelle Beratung in Sachen Beziehung an und moderieren nicht nur die Gespräche, sondern sorgen auch dafür, dass jeder den Blickwinkel des Partners einmal einnimmt.

An erster Stelle einer Paartherapie steht die Analyse des Istzustands, der Lebensgeschichten und der gemeinsamen Geschichte. Häufig können Psychologen bereits aus der Analyse heraus erste Erkenntnisse gewinnen und die Zusammenhänge verstehen, sowie die Verhaltensweisen der einzelnen Personen deuten. Dies ist die Grundlage des Therapeuten, um gezielt die Beziehung mit unterschiedlichen Methoden ins rechte Licht zudrücken und den Partnern die Perspektive des Partners näher zu bringen. Dabei können folgende Punkte eine wichtige Rolle spielen:

Mögliche Fragen die der Therapeut stellt:

  • Welche Ă„ngste spielen in der Beziehung eine Rolle.
  • Welche Belastungen aus dem Alltag und dem Berufsleben beeinflussen den jeweiligen Partner.
  • Gibt es WĂĽnsche an den Partner und wie Sehen diese konkret aus.
  • Wurde der Partner eventuell durch zu hohe Erwartungen unter Druck gesetzt und welche Erwartungen sind realistisch und fĂĽr den Partner erfĂĽllbar.
  • Ăśberschatten negative Erwartungen und Vorurteile die Beziehung.
  • Welche ZukunftswĂĽnsche haben die Partner jeweils an die Beziehung und welche persönlichen ZukunftswĂĽnsche möchte der jeweilige Part fĂĽr sich verwirklichen.
  • Geben beide Partner der Beziehung eine echte Chance oder ist es sinnvoller, eine Trennung zu forcieren.

Partnerberatung: Wie funktioniert eine Paartherapie?

Je nach Therapeut und auch von Paar zu Paar kann sich die angewendete Methodik unterscheiden. Wichtig ist bei einer professionellen Partnerberatung immer, dass offene Fragen geklärt werden und ein konstruktives Gespräch in Gang kommen kann. Durch Rollenspiele, Mal- und Gestaltungstherapien können häufig Kommunikationshürden überwunden werden und die Sprachlosigkeit, die sich in der Beziehung ausgeweitet hat, kann neuen Gesprächsansätzen weichen.

Nicht immer muss eine Paartherapie mit der großen Versöhnung und einem Neustart in Sachen Liebe enden, denn wenn erst einmal der Zugang zueinander wieder möglich ist, kann die Konsequenz auch eine Trennung sein, um den Partner glücklich zu machen und sich selbst frei von der Vergangenheit zu machen.

Doch in den meisten Fällen beruhen Beziehungskrisen auf einer langen Kette von unausgesprochenen Wünschen und Bedürfnissen, Verletzungen und Missverständnissen, sodass häufig die Gefühle füreinander wieder aufkeimen, wenn der Blickwinkel gewechselt wird und eine neue und wertigere Kommunikation möglich wird.

Der Therapeut hilft hier in der Regel als Moderator und Mediator weiter und auch Paare die entscheiden einen Neuanfang zu wagen, sollten sich nicht zu schnell von Ihrem Therapeuten trennen, denn so langsam und schleichend wie sich eine Beziehungskrise aufbaut, so wichtig ist es die Vergangenheit aufzuarbeiten und die Partnerschaft immer wieder neu zu hinterfragen.

Paar in einer Beziehungskrise

Paar in einer Beziehungskrise. Foto: © fizkes – Adobe Stock

Einen passenden Therapeuten in Wohnortnähe finden

Für Paartherapien gibt es unterschiedliche Anlaufstellen. Sowohl die kirchliche als auch gemeinnützige Organisationen bieten Paarberatung in allen größeren Städten an. Doch auch niedergelassen Psychologen sind gute Ansprechpartner und einige sind sogar auf Paarberatung spezialisiert. Wichtig ist es sich im Erstgespräch ein Bild vom Therapeuten zu machen, denn eine Therapie macht nur Sinn, wenn dem Therapeuten auch ein gewisses Vertrauen entgegen gebracht wird.

Wer den Mut hat sich auf eine Paarberatung einzulassen, der zeigt deutlich, dass er trotz Beziehungskrise nicht ganz vergessen hat, was er einst am Partner schätzte. Eine einst glückliche Beziehung verdient es immer nicht kampflos aufgegeben zu werden und wenn beide Partner dazu bereit sind an der Beziehung zu arbeiten, dann kann auch die Liebe und das Verständnis füreinander zurück kehren.


Keine Kommentare vorhanden


Sie haben eine Frage oder eine Meinung zum Artikel? Lassen Sie uns teilhaben!

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*
*